Presse

Berner Zeitung vom 30. September 2003

Aus Hufeisen macht er Tiere 
Alteisen ist seine Leidenschaft, dieses zu Skulpturen zusammenzufügen seine Berufung. Der Burgdorfer Künstler und Psychologe Benno Tresch schöpft dabei aus der Welt der Mythen und Märchen. 

Hans Herrmann 


An der Burgdorfer Bahnhofstrasse gegenüber des Milano Nord steht ein ganz aus Hufeisen geschweisstes Pferd, eine lebensgrosse und in den Proportionen stimmige Skulptur. Ein weiteres Exemplar dieser Spezies befindet sich vor dem Restaurant Rössli, ein anderes beim Schache-Märit in der Buchmatt, wiederum ein anderes auf dem Areal der Lyssacher Firma Provet und eines bei einer privaten Reithalle in Bern.

Das Krokodil im Garten
Der Mann, der Pferde schmiedet, heisst Benno Tresch und wohnt mit seiner Familie in Burgdorf an der Emmentalstrasse. In welchem Haus, ist unschwer zu erkennen: Bei der Nummer 11 blickt neben der Eingangstür neugierig ein eiserner Pferdekopf aus dem Fenster, und neben dem Haus breitet sich ein abenteuerliches Sammelsurium an alten Metallteilen aus. Von grobgliedrigen Eisenketten über ausgediente Sensenklingen bis hin zu Maschinenteilen unterschiedlichster Art ist hier alles vertreten. Auf einem Rasenstück sonnt sich ein Hufeisenkrokodil, und an einem Hauspfeiler lehnt der Torso einer nackten, ebenfalls aus Eisenteilen gestalteten Frau. Ihre Brüste bestehen aus zwei gusseisernen Schalen von Kuhtränken.
«Ich versuche, die Eisenteile nicht zurechtzuschneiden, sondern so zu verwenden, wie ich sie vorfinde», sagt Benno Tresch. Entsprechend sei die Suche nach geeignetem Material immer wieder eine Herausforderung - nicht zuletzt deshalb, weil es die gerundeten Formen seien, die sich zum Erstellen von ästhetisch befriedigenden Skulpturen besonders eigneten. «Die Maschinen und Gerätschaften aus neuerer Zeit sind aber meistens auf eckig getrimmt.»
Auf seinen Fahrten über Land hält Tresch die Augen immer offen. Erblickt er auf einem Bauernhof, einer Deponie oder einem Abbruch Stücke, die ihm zusagen, hält er an und verhandelt mit den Zuständigen. Gross ist sein Bedarf an Hufeisen. «Ein gebrauchtes Hufeisen ist ein Metallstück mit Spuren, mit seiner ganz eigenen Geschichte; zudem ist es schön in der Form und hat als Glücksbringer eine sympathische Symbolik.»

Im Dialog mit Bauern
Benno Treschs Tierskulpturen bestechen unter anderem durch ihre Pfiffigkeit und ihren Humor. Ein Eisenrad als Vogelleib zu verwenden, zwei Sensenklingen als Schnabel, zwei Pflugscharen als Flügel und angeknickte Leitungsrohre als Beine wirkt witzig und zeugt von verspielter Kreativität. «Ich denke, die Leute verstehen, was ich mache», sagt der Künstler. «Die Reaktionen an den Märkten, an denen ich ausstelle, sind gut, und die Bauern aus dem Emmental können oft viele der verwendeten Eisenteile beim richtigen Namen nennen.» Er lacht. «Das kann nicht einmal ich selber in jedem Fall.»
Er stelle, fährt Tresch fort, in seinem Schaffen Urgestalten von symbolischer Kraft dar, Archetypen, die den Menschen in seinem natürlichen Umfeld schon immer beschäftigt hätten. Zum Beispiel das Pferd - es sei das Urbild von Energie, Eleganz und Geschwindigkeit. «Solche Gestalten wurzeln in der Welt der Märchen und Mythen; Kinder leben noch in dieser Welt, deshalb reagieren sie vermutlich so positiv auf meine Sachen.»
Märchen, Mythen, Archetypen, symbolische Kraft - diese Begriffe spielen in der Psychologie eine wichtige Rolle. Zu diesem Fach hat Benno Tresch eine besondere Beziehung: Er ist studierter Psychologe, unterrichtet am Gymnasium Neufeld in Bern und am Gymnasium Burgdorf Psychologie und Pädagogik. Die Kunst betreibt er im Nebenberuf. Noch laufe das Geschäft mit den Skulpturen lediglich kostendeckend; er würde gerne noch etwas mehr an die Öffentlichkeit treten, sagt er. Vorstellen könnte er sich Ausstellungen in Berner Geschäften oder an grösseren Anlässen - an Orten jedenfalls, wo es ohnedies Publikumsfrequenz habe. Der herkömmliche Galeriebetrieb liege ihm weniger. «Da sitzt man stundenlang auf einem Stuhl und wartet, ob vielleicht jemand vorbeikommt.»

Faszinierendes Material
Dass er nicht der klassische «Galerietyp» ist, glaubt man ihm gerne. Er hat nicht die Ausstrahlung eines schwebenden Ateliermenschen, wirkt vielmehr sportlich, zupackend und erdverbunden. Er liebe die Schwere des Metalls, sagt er. «Die Auseinandersetzung damit gibt mir Boden.» Auch in anderer Hinsicht beglückt ihn die Beschäftigung mit Altmetall: «Wenn man so ein rostiges Eisenstück zerschneidet, kommt das blanke Metall in seiner ursprünglichen, frischen Qualität zum Vorschein - das hat etwas Faszinierendes.»
Benno Tresch arbeitet erst seit fünf Jahren mit Eisen. Vorher malte er. «Dann kam eines Tages der Wunsch auf, dreidimensionale Sachen zu machen», berichtet er. «Platz ist hier vorhanden, und die Nachbarn zeigen Verständnis.» Manchmal höre er zur Arbeit Musik, und manchmal singe er dazu. «Ich habe Spass an meiner Tätigkeit», sagt er mit einem fröhlichen Lachen. «Und wenn etwas davon in meinen Werken spürbar ist, freut mich das besonders.» 
Kontakt: Benno Tresch, Emmentalstrasse 11, 3400 Burgdorf, Telefon 034 423 00 16. www.bennotresch.ch und info@bennotresch.ch 



BZ-EM-Aufschlagseite, 30. September 2003